Versöhnen und Verzeihen

29.01.2020

Viele religiöse Traditionen sehen Versöhnen und Verzeihen als zentrale Bestandteile im Leben an. Auch ich sehe das so.
(Bild: lizenzfrei von annca auf pixabay.com)

Vor dem Versöhnen und Verzeihen sind aber noch Schritte zu gehen, damit das Versöhnen nicht erpresst und das Verzeihen nicht aus einem faulen Kompromiss heraus geschieht.

Zuerst ist das Leid anzuerkennen! An Schmerz, Wut oder Trauer ist nichts Falsches, sondern es sind wichtige Gefühle. Jedes Gefühl ist ein Signal für den inneren Zustand und jeder Mensch, der entsprechende Signale aussendet, braucht Zuwendung, Trost und Mitgefühl. Hier schnell den spirituellen Bypass zu legen mag zur Deeskalation einer Situation beitragen, aber in den meisten Menschen arbeiten Wut, Trauer und Schmerz im Untergrund weiter.

Hinderlich ist aber die ständige Anwesenheit von Schmerz, Wut oder Trauer. Wichtig wäre, nicht dauerhaft in negativen Emotionen steckenzubleiben, sondern sie als Gradmesser für eigene Bedürfnisse und seelische Verletzungen zu sehen. Und das ist schon der zweite Schritt: Sich selbst annehmen, eigene Bedürfnisse wichtig nehmen, nach innen schauen, seelisch Belastendes und Unverdautes anschauen und hinderliche Glaubensmuster erlösen.

Nimmt man auf diese Art "den Ball auf", dann vollzieht sich Schritt für Schritt inneres Wachstum und der dritte Schritt ereignet sich irgendwann von allein: Verzeihen geschieht. Bitte seien Sie Schnellmethoden gegenüber skeptisch: Die 10-Minuten-Auflösung kann ich Ihnen nicht bieten; das Buch des Lebens ist viel zu umfangreich und die Vorgeschichte vieler Menschen auch. Aber Mut machen, diesen Weg zu gehen, will ich allemal!